STILLE NACHT, HEILIGE NACHT
Zur Geschichte des Weihnachtsliedes
(von Felix Gruber, dem Enkel des Komponisten, zusammengefasst von G. Kral)

(...) Josef Mohr und Franz X. Gruber lernten sich 1817 in Oberndorf kennen, und bald umschloss herzliche
Freundschaft die beiden Männer.
Am 24.Dezember 1818 dichteten und komponierten sie "Stille Nacht", das ihre Namen für immerwährende Zeiten
vereinte. (...)
Bild 1; Bild 2

Franz Xaver Gruber kam als drittes Söhnchen der armen Leinenweberleute Josef und Anna Gruber im niedrigen,
hölzernen Steinpointner Weberhaus in Unterweizberg bei Hochberg in OÖ zur Welt.
Karg war der Eltern Verdienst und reich an Entbehrungen die Jugend des kleinen "Franzl".
Aber EINE Gabe hatte ihm die Natur geschenkt, die ihn für vieles entschädigte: das Talent zur Musik.
Aber auch dieses Geschenk durfte er nicht ungestört genießen, denn der praktisch denkende Vater wollte
von diesem "Allotria" nichts wissen und aus ihm einen tüchtigen Weber machen.
So musste er schon als Bub tagsüber fleißig am Webstuhl sitzen, aber Nachts schlich er sich zum Lehrer
des Ortes, Andreas Peterlechner, der ihn heimlich (...)
auch in der Musik unterrichtete. Um auch zu Hause "üben" zu können, steckte der Kleine in die Fugen der
Holzwand seiner armseligen Kammer Holzklötzchen, um auf diesen Fingerübungen zu machen. (...)
Als einmal beim Hochamt wegen der Erkrankung des Lehrers niemand die Orgel spielen konnte, sprang
beherzt der zwölfjährige Gruber auf die Orgel und spielte so gut, dass alle erstaunten und "Franzl"
als "Held des Tages" gefeiert wurde. Da wurde der Ehrgeiz des Vaters lebendig....(...)
...kaufte seinem Buben um fünf Gulden ein Spinett und erlaubte ihm, Lehrer zu werden. (...)
1807 wurde Gruber als Lehrer in Arnsdorf angestellt und versah (...) in Oberndorf die Stelle des Organisten.(...)
1833 ging sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung: Er wurde zum Stadtpfarrchorregenten in Hallein ernannt.
Fast dreißig Jahre wirkte er als solcher.
1849 finden wir ihn als Gründungsmitglied der Halleiner Liedertafel, wie er sich überhaupt um das
musikalische Leben in Hallein sehr verdient gemacht hat.
Nach längerer schmerzlicher Krankheit starb Gruber am 7.Januar 1863 und wurde auf dem nun aufgelassenen
Friedhof neben der Halleiner Pfarrkirche begraben. (...)
Gruber war dreimal verheiratet. Der zweiten Ehe mit (...) Maria Breitfuß entstammten zwölf Kinder,
von denen jedoch nur zwei Söhne und zwei Töchter ihren Vater überlebten.

Sein jüngster Sohn Felix, mein Vater, wurde sein Nachfolger als Chorregent in Hallein. Er starb 1884.

Über die Geschichte des Liedes liest man folgendes aus der Feder von Felix Gruber:

"Stille Nacht" ist zum Volkslied geworden und teilt daher auch alle Freuden und Leiden eines solchen.
Zu letzteren gehört wohl, daß sich lange niemand darum kümmerte, wer es denn gemacht hatte.
So wanderte (...) das Lied "ohne Geburtsschein und Heimatzeugnis" in der Welt herum.
Es wurde als "Volkslied aus dem Zillertal" oder als "steirisches Volkslied" angesprochen, ja in
Deutschland war lange die (...) Meinung vertreten, Michael Haydn sei der Schöpfer der Melodie.
Erst 1854 begann die Suche nach der Herkunft. Die königliche Hofkapelle in Berlin fragte im
Benediktinerstift St. Peter an, ob dort vielleicht das Manuskript des "Weihnachtsliedes Stille Nacht
von Michael Haydn" sei. Felix Gruber, sein Sohn, befand sich damals als Sängerknabe im Stift ....
...und so verfaßte mein Großvater die (...) "Authentische Veranlassung zur Komposition des Weihnachtsliedes
Stille Nacht, heilige Nacht",die er nebst Abschrift des Liedes nach Berlin schickte.
So schlicht und einfach war also die Entstehung des Liedes. Alles, was später dazugedichtet wurde,
entspricht nicht den Tatsachen. (...)

Nach weiteren Berichten über Entstehungshintergründe schreibt Felix Gruber:
Wie alles, was in die Öffentlichkeit dringt, so mußte auch "Stille Nacht" strengste Kritik über sich ergehen lassen.
Trotzdem kein Mensch behauptet, es sei in musikalisches oder poetisches Kunstwerk, wurde es als solches behandelt.
Das herbeste Urteil fällte der Domkapellmeister (...)
aus Mainz: Nicht die leiseste Spur eines christlichen oder religiösen Gedankens; (...)
die Singweise ist „äußerst monoton, ohne herzliche, feinere, interessante Wendungen, (...)
Der Schluß ergebe eine überaus unschöne, ermüdende Monotonie. Man habe hier eine gänzlich verfehlte
Komposition vor sich. (...)
Dazu Felix Gruber:
Es ist eben ein kunstloses Gelegenheitsgedicht, der Einfall einer bewegten Stimmung,
einem weihnachtsfrohen Herzen entsprungen und deshalb zu den Herzen gedrungen...(...)
Viel mehr zu beklagen sind die verschiedenen Abweichungen von der Urmelodie, die daraus entstanden sind,
daß das Lied oft nur aus dem Gehör nachgeschrieben und nachgesungen wurde. (...)
Daß besonders der letzte Vers "schlafe in himmlischer Ruh" so häufig um drei Töne zu hoch gesungen wurde
(und auch wird, Anm. G.K.) , ist auf eine falsche Übertragung des Sopranschlüssels in den
Violinschlüssel zurückzuführen.

Felix Gruber führt des weiteren die Ursachen für die weltweite Verbreitung des Liedes an und zitiert
einen Missionar aus St. Peter (Pater Klotz):
...am Fuß des Himalaja, in Neuseeland (...) und am Sambesi, am Äquator in Südamerika, Araberknaben im Sudan
sangen es ...(...)
Auch die Rolle des Liedes im Krieg beleuchtet Felix Gruber: Es hat wohl keine Front gegeben,
an der nicht der Weihnachtsabend gefeiert worden wäre - und "Stille Nacht" durfte nicht fehlen...

Der Text in der damaligen Zeitschrift des Landesverkehrsamtes, "Salzburg" , endet wie folgt:
Es ist geplant, dem Komponisten auf seiner Grabstätte am Halleiner Friedhof ein würdiges Denkmal zu errichten.
Die dortige "Liedertafel", deren Chormeister Franz X. Gruber war, hat sich in dankenswerter Weise in den Dienst
der Sache gestellt, kann aber die erforderliche Summe von 2800 Schilling allein nicht aufbringen.
Sie wendet sich deshalb an alle, denen "Stille Nacht" schon einmal eine Weihnachtsfreude bereitet hat, mit der Bitte,
ihr Scherflein zur Vollendung des geplanten Werkes beizutragen....

Übrigens:
Die Halleiner Liedertafel singt am Grab von Franz X. Gruber (siehe Karte) schon seit jeher
am 24. Dezember im Rahmen einer weihnachtlichen Feierstunde, die mit "Stille Nacht" in der
Originalfassung für 2 Singstimmen, Gitarrebegleitung und Chor schließt.

Bericht über die Gründerzeit
(Franz Holzner, Gruberkuratorium)

Wer waren die Gründer der Liedertafel?

Es waren die Mitglieder des 1847 von F.X Gruber gegründeten Musikvereins. Alle Gründungsmitglieder wären
längst in Vergessenheit geraten, wenn.... Ja, wenn nicht die Familie Gruber gewesen wäre:
Franz Xaver Gruber und seine hochbegabten Söhne:

Stammbaum Gruber

Vater Gruber, 1787 bis 1863, erkannte früh das Talent seines Sohnes, der seinen Vater bereits
als Zehnjähriger an der Orgel vertreten konnte. Am Mozarteum studierte Franz bei Prof. Taux Komposition
und Geige, später komponierte er wie sein Vater Messen, Orgelstücke und Lieder. Er fertigte Transkriptionen
und Arrangements von Opernmusik an. Mit der Gründung der Halleiner Liedertafel stand ihm nun auch ein Chor
zur Verfügung. Viele seiner Kompositionen wurden von der Liedertafel und ihrem Orchester uraufgeführt.
So war es auch bei einem denkwürdigen Frühjahrskonzert: Laut Bericht der „Salzburger Zeitung“ vom 16.3.1863
führte Franz Gruber jun. die erst 1852 vom Pariser Instrumentenbauer Bouton erfundene „Harmonieflöte“ vor:
Nicht weniger Anklang fanden die vom Hr. Chormeister Franz Gruber teils arrangierten, teils komponierten Piecen
auf der Harmonieflöte in Begleitung der Guitarre, die meisterhaft executiert wurden.
Das Instrument befindet sich übrigens heute im „Gruberzimmer“ im Stille Nacht - Museum im ehemaligen Wohnhaus
F.X Grubers in Hallein.

Im vergangenen Jahr besuchten Herr Meingast und Herr Neupert, zwei Instrumentenbauer aus Österreich bzw.
Süddeutschland, das Museum in Hallein wegen des Hammerklaviers von F.X Gruber sen. Die Fachleute waren erstaunt
über die Harmonieflöte: Trotz großer Erfahrung und der Kenntnisse über die historischen Instrumente in Europa
hatte noch keiner von beiden so ein Instrument gesehen, geschweige denn davon gehört!
Leider geriet das damalige Konzert rasch in Vergessenheit, weil Gruber sen. am 7.6. 1863, 76jährig verstarb.

Sein Nachfolger Felix hatte andere Pläne und Interessen: Vorwiegend weltliche Musik, wie über 100 Märsche und
Opernbearbeitungen, Konzert- und Tanzstücke. Als Chorregent und Chormeister und Komponist war in Hallein ein weithin
bestaunter musikalischer Höhepunkt erreicht. Von überall her kamen Einladungen zu Konzerten ebenso traten
zahlreiche Vereine auf, wie etwa der Wiener Männergesangverein, es gab Aufmärsche und Konzerte -
und immer wieder musste Gruber komponieren oder Musikstücke umschreiben.
Auf diese Weise entstanden Bearbeitungen von Donizetti und Bellini, denn Felix war wie sein Vater
begeisterter Opernanhänger. So sind die zahlreichen Opernaufführungen in verschiedenen Halleiner Gasthöfen oder im Kleinen Stadttheater (heutiges Halleiner Rathaus) zu erklären.

Die Aufgaben und Verpflichtungen häuften sich, die Freunde warnten, doch Felix Gruber ließ nicht nach -
bis ein plötzlicher Herzschlag an der Orgel in der Stadtpfarrkirche in Hallein sein Leben beendete.
Er hinterließ 2 Söhne, die beide Musiker wurden:
Franz (1875 - 1940) war zunächst Geistlicher, später Musikdirektor der Kurmusik in Meran,
von 1921 bis 1926 Domkapellmeister am Salzburger Dom.
Felix (1882 - 1940) war Chormeister der Halleiner Liedertafel von 1902 bis 1940 und trotz politischer
Wirren ein guter Chorleiter, konnte seinen Vater aber nie erreichen. Er war der letzte Gruber,
der in Hallein als Musiker wirkte.

F.X Gruber jun., 1826 bis 1871, ab 1846 Lehrer in Hallein, wurde 1.Obmann und Chormeister.
Felix Gruber, 1840 bis 1884, Musiker von Beruf, wurde Nachfolger seines Vaters als Chorregent an der
Halleiner Stadtpfarrkirche, 1863.
Auf Grund seines Könnens wurde er 20jährig (!) Kapellmeister der Bürgercorpskapelle und nach dem
überraschend verstorbenen Bruder Franz (1871) Chormeister der Liedertafel. Damit hatte Felix Gruber
für 13 Jahre das gesamte Halleiner Musikleben in seiner Hand!